AOK - Sanftes Rückentraining:Kräftigung und Beweglichkeit mit Spaß
Das Programm AOK - Sanftes Rückentraining: Kräftigung und Beweglichkeit mit Spaß! Besteht aus 10 je 90-minütigen Einheiten, die Sie einmal pro Woche besuchen. In den 10 Kurseinheiten erhalten Sie u. a. wichtige Hinweise und Tipps zur Vorbeugung und zum besseren Umgang mit möglichen Rückenschmerzen sowie zu einem gesunden, aktiven Lebensstil.
Des Weiteren erhalten Sie in den Einheiten die Übungen der Woche. Diese umfassen verschiedene Kräftigungs- und Beweglichkeitsübungen, die Sie in den Kursstunden erlernt haben und anschließend zu Hause selbstständig weiter üben können. Die Informationsblätter und die Übungen der Woche können Sie in einer Mappe sammeln. Damit besitzen Sie nach Beendigung des Kurses eine Zusammenstellung der wichtigsten Informationen zur Prävention von Rückenschmerzen sowie ein Basisprogramm zur Förderung Ihrer körperlichen Fitness und zur körperlichen und psychischen Entspannung.
10 x 90
Min.
250,00 €
25,00 €
pro Einheit
Ab 18
Jahre
Nein
Zur Realisierung des in Kapitel 3 ausgeführten Zielspektrums umfasst jede Einheit folgende 7 Sequenzen:
1 Einstieg
2 Einstimmung, Ausdauer
3 Beweglichkeit, Kräftigung
4 Entspannung
5 Ausklang
6 Abschluss
7 Information (integriert in 1 bis 6)
Die Informationen werden immer mit praktischen Erfahrungen und konkretem Erleben verbunden und deshalb in den einzelnen Einheiten an unterschiedlichen Stellen eingebracht. Die einzelnen Programmsequenzen sind zwar von unterschiedlicher zeitlicher und intentionaler Bedeutung, sie treten jedoch grundsätzlich in jeder Kurseinheit auf.
Einstieg
Jede Kursstunde beginnt mit dem Zusammenfinden im Sitzkreis. Dadurch sollen bei den Teilnehmern Gefühle von Gruppenzugehörigkeit und Gruppenzusammenhalt begünstigt (Förderung von sozialer Unterstützung und Einbindung; vgl. Kap. 3.3) sowie – damit zusammen- hängend – das aktuelle Wohlbefinden gefördert werden (Verbesserung der Stimmung; vgl. ebenfalls Kap. 3.3).
Nach der Begrüßung der Kursteilnehmer erfolgt (ab der 2. Kurseinheit) zunächst ein kurzer Rückblick auf die vorherige Kursstunde. Dabei wird insbesondere das Befinden der Teilnehmer im Anschluss an den Kurstermin sowie in den darauf folgenden Tagen eruiert. Die Kursleitung erhält dadurch zum einen wichtige Hinweise, ob die Stundeninhalte und Trainingsbelastungen den Voraussetzungen der Teilnehmern entsprechen oder ob möglicherweise Modifikationen vorgenommen werden müssen. Zum anderen kann
die Kursleitung von den Teilnehmern berichtete Wahrnehmungen (Muskelkater, allgemeines Befinden etc.) kommentieren und erklären.
Des Weiteren werden in der Einstiegssequenz die Erfahrungen der Teilnehmer mit den Übungen für das Heimtraining (Aufgaben der Woche; vgl. dazu Kap. 4.6) ausgetauscht sowie Thema und Ablauf der aktuellen Kurseinheit vorgestellt. Dabei haben die Kursteilnehmer die Möglichkeit, spezifische Erwartungen und Wünsche zu äußern, die dann entsprechend aufgegriffen und so weit wie möglich berücksichtigt werden sollten.
Einstimmung, Ausdauer
In dieser Sequenz sollen die Kursteilnehmer auf die Gruppe sowie die nachfolgenden Bewegungsaktivitäten eingestimmt werden. Dabei sollen insbesondere Spannungszustände, die sich während des (Arbeits-)Alltags aufgebaut haben, gelöst, ein erhöhter Wachheits- und Aufmerksamkeitsgrad erreicht sowie das aktuelle Wohlbefinden gefördert werden (Verbesserung der Stimmung; vgl. Kap. 3.3). Dies kann ggf. auch zur Reduktion von Angst und Depression/Depressivität und damit zur Verminderung wichtiger Risikofaktoren für rezidivierende oder chronifizierende Rückenschmerzen beitragen (Prävention von psychosozialen Risiko- faktoren; vgl. Kap. 3.2). Des Weiteren sollen sich die Teilnehmer besser kennen lernen (auch um Hemmschwellen abzubauen) und befähigt werden, miteinander zu trainieren und sich gegenseitig zu unterstützen (Förderung von sozialer Unterstützung und Einbindung; vgl. Kap. 3.3).
Inhaltlich stehen in dieser Sequenz Variationen von Bewegungsgrundformen im Mittelpunkt – wie unterschiedliche Formen des Gehens, Laufens und Federns – sowie spielerische Übungsformen mit Partner und in der Gruppe. Dabei finden häufig auch Materialien (z. B. Zei- tungen, Luftballons) und Kleingeräte (z. B. Bäl- le und Gymnastikstäbe) Verwendung. Einen zu-
sammenfassenden Überblick über die jeweiligen Inhalte zur Einstimmung gibt Tabelle 2. Methodisch liegt der Schwerpunkt auf offenen Aufgabenstellungen, die den Teilnehmern genügend Raum für individuelles und kreatives Bewegen geben.
In der zweiten Kurshälfte werden die Teilnehmer in das Walking – als einfache und nach Kursen- de selbstständig weiter auszuführende Sportaktivität – eingeführt. Damit wird das Ziel verfolgt, den Aufbau von Bindung an gesundheitssportliches Verhalten zu unterstützen (vgl. Kap. 3.5) und (in der Folge) die Ausdauerfähigkeit als eine wichtige physische Gesundheitsressource zu steigern (vgl. Kap. 3.1).
In der 6. und 7. Kurseinheit wird dabei zunächst die Basis-Walking-Technik (Abrolltechnik des Fußes, Kniebeugung, angewinkelte Armhaltung) vermittelt und eingeübt. In den darauf folgenden Einheiten (8. bis 10. Kurseinheit) wird je- weils ein 10-minütiges Walking mit moderater Intensität durchgeführt. Die Belastungsinten- sität wird anhand des subjektiven Belastungs- empfindens kontrolliert, das von den Teilnehmern als „leicht“ bis „mittel“ erlebt werden sollte. Eine subjektiv als mittelhoch erlebte Belastungs- intensität ist sowohl unter physischer (Verbesserung der Ausdauer) als auch unter psychischer bzw. emotionaler Perspektive (positive Verände- rung der Stimmung) empfehlenswert (vgl. z. B. Brehm, 2006b; Buskies & Boeckh-Behrens, 2009, S. 34–40).
Zur Förderung der Motivation und zur Verbesserung des aktuellen Wohlbefindens (Stimmung) wird in dieser Sequenz sowohl bei den spielerischen Aktivitäten und Übungsformen zur Einstimmung als auch beim Walking grundsätzlich Musik eingesetzt. Darüber hinaus sollten auch folgende weitere methodische Hinweise bzw.
Leitprinzipien zur Stimmungsveränderung beachtet und angewandt werden (vgl. Brehm, Pah- meier, Tiemann, Ungerer-Röhrich, Wagner & Bös, 2002, S. 14–20):
Zur Förderung wichtiger sozialer Ressourcen (so- ziale Unterstützung und Einbindung) sollten zudem Situationen geschaffen werden, bei denen die Teilnehmer bestimmte Aufgaben gemeinsam lösen müssen (Partner- und Gruppenarbeit). Des Weiteren sollten Aufgaben eingesetzt werden, bei denen sich die Kursteilnehmer in die Situation anderer hineinversetzen müssen (Rollenübernahme), wie dies z. B. beim Schattenlaufen, bei Synchronaufgaben oder dem „Blindführen“ der Fall ist (vgl. Brehm et al., 2002, S. 32–38).
Beweglichkeit, Kräftigung
Diese – zeitlich längste – Sequenz ist unterteilt in Hauptteil I: Beweglichkeit und Hauptteil II: Kräftigung und zielt auf die Stärkung der physischen Gesundheitsressourcen, insbesondere der gesamten Rumpfmuskulatur, ab. Dadurch soll die gesundheitsbezogene Fitness der
Teilnehmer verbessert und bewegungsmangelbedingten Dekonditionierungszuständen vorgebeugt bzw. entgegengewirkt werden (vgl. Kap.
3.1). Ferner soll die Stärkung dieser physischen Ressourcen zur Stabilisation des Rückens sowie zur Vermeidung bzw. Verminderung von – im Zu- sammenhang mit Rückenschmerzen häufig diskutierten – muskulären Dysbalancen (Prävention von Risikofaktoren; vgl. Kap. 3.2) und ggf. zur Bewältigung von Rückenschmerzen beitragen. Dabei sollen insbesondere individuelle Strategien zu einem adäquaten Umgang mit bzw. zur (problembezogenen) Bewältigung von (unspezifischen) Rückenschmerzen ausgebildet werden (vgl. Kap. 3.4).
Zur Erreichung dieser Ziele stehen in dieser Sequenz ausgewählte Kräftigungs- und Beweglichkeitsübungen (Dehnung, Koordination und Mobilisation) im Vordergrund – verbunden mit möglichst vielfältiger Lockerung. Darüber hinaus werden die Wirbelsäule und andere „unbeweglich“ gewordene Körperpartien behutsam mobilisiert und verkrampfte Muskelgruppen entspannt. In diese Sequenz sind dabei immer wieder auch Ganzkörperübungen eingestreut, die neben physischen auch emotionale Wirkungen auslösen und zu einem positiven Gruppenklima beitragen (Verbesserung der Stimmung; vgl. Kap. 3.3).
Tabelle 3 (S. 21) gibt einen zusammenfassenden Überblick über die in den einzelnen Einheiten durchgeführten Basisübungen zur Verbesserung der Kraft. Diese umfassen Einzel- und Part-
nerübungen (ohne und mit Handgeräten) in ver- schiedenen Ausführungspositionen (im Stand, im Sitz, in Bankstellung, in Bauch- und Rückenlage). Diese sowie alternativ bzw. ergänzend einsetzbare Kräftigungsübungen für alle wichtigen Muskelgruppen sind in Kapitel 6.1 detailliert beschrieben und bildlich dargestellt.
Im AOK - Sanften Rückentraining: Kräftigung und Beweglichkeit mit Spaß! wird vorrangig ein Kraftausdauertraining durchgeführt. Zusammen mit bzw. nach dem Erlernen der korrekten technischen Ausführung der Übungen werden diese jeweils etwa 15- bis 25-mal wiederholt. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass es dabei weder notwendig noch speziell für Teilnehmer an Rückenkursen sinnvoll ist, die einzelne Trainingsserie bis zur letztmöglichen Wiederholung durchzuführen. Der einzelne Satz wird bei einem subjektiven Belastungsempfinden (Anstrengungs- empfinden) mittel bis schwer abgebrochen, d. h. deutlich vor Erreichen der letztmöglichen Wiederholung beendet. Zur Erzielung angemessener Krafteffekte reicht es für Untrainierte (an die sich dieses Rückenprogramm vor- rangig richtet) dabei auch völlig aus, einen Satz (eine Serie) durchzuführen. Wie Studien der Universität Bayreuth zeigen, führt bereits ein Einsatztraining 1-mal pro Woche zu deutlichen Kraftzuwächsen (vgl. z. B. Buskies & Boeckh- Behrens, 2009, S. 53–81).
Neben den dynamischen werden zum Teil auch statische Übungen – insbesondere zur Kräftigung der rumpfstabilisierenden Muskulatur – durchgeführt. Ähnlich wie die dynamischen sollten auch die statischen Kräftigungsübungen bei einem subjektiven Belastungsempfinden schwer beendet werden. Kriterien für einen vorzeitigen Abbruch der statischen Übungen sind:
Die in den einzelnen Kurseinheiten durchgeführten Basisübungen zur Beweglichkeit: Verbesserung der Dehnfähigkeit zeigt Tabelle 4 (S. 23). Diese sind, ebenso wie weitere Übungen, die alternativ bzw. ergänzend zu den Basisübungen eingesetzt werden können, in Kapitel 6.2 im Einzelnen dargestellt und abgebildet.
Die Dehnübungen werden nach der Methode der passiv-statischen Dauerdehnung durchgeführt, da diese die geringsten Anforderungen an die Körperwahrnehmung stellt und für die meisten Teilnehmer am leichtesten umzusetzen ist.
Nach dem Einnehmen der Dehnposition und der Wahrnehmung einer deutlichen Dehnspannung wird die Dehnposition ca. 20 Sekunden lang ge- halten (= andehnen). Wenn das Spannungsgefühl nachlässt, wird die Dehnung verstärkt und die neue Position wiederum über die Dauer von ca. 20 Sekunden gehalten (= nachdehnen). Die Intensität der Dehnung (Spannungsgefühl) sollte bei den jeweiligen Übungen als leicht bis mittel wahrgenommen werden. Hinsichtlich des Umfangs ist nach bisherigen Erfahrungen (wis- senschaftliche Ergebnisse fehlen!) davon auszugehen, dass in der Regel bereits eine einmalige Dehnung ausreichend ist (vgl. z. B. Buskies & Boeckh-Behrens, 2009, S. 214–224).
Die Seqzenz Beweglichkeit umfasst neben Dehnübungen auch eine Reihe von Mobilisations-, Koordinations- und Ganzkörperübungen (vgl. Tab. 5).
Diese Übungen tragen nicht nur zur Verbesserung der Beweglichkeit und der Koordinationsfähigkeit (Stärkung physischer Gesundheits- ressourcen; vgl. Kap. 3.1) sowie u. U. auch zur Bewältigung von Rückenschmerzen bei (vgl. Kap. 3.4), sie wirken sich aufgrund ihres dynamischen Charakters insbesondere auch positiv auf das emotionale Befinden (Stimmung) und das Grup- penklima aus (Stärkung psychosozialer Gesundheitsressourcen; vgl. Kap. 3.3). Eine besondere Bedeutung dürfte in diesem Zusammenhang
– dynamischen und rhythmischen Ganzkörperübungen zukommen. Um die genannten Effekte auszulösen, müssen die Mobilisations-, Koordinations- und Ganzkörperübungen – ebenso wie die Kräftigungs- und Dehnübungen – an den Fähigkeiten der Teilnehmer orientiert sein. Überforderungen sollten auf jeden Fall vermieden und koordinativ anspruchsvollere Übungen erst im weiteren Verlauf des Programms eingeführt werden. Des Weiteren ist darauf zu achten, dass die Ausführung von schwierigeren Koordinationsübungen am Anfang der Sequenz stehen sollte, da dann die notwendige Konzentrations- und Wahrnehmungsfähigkeit noch in vollem Maße vorhanden ist. Einfachere Koordinations- und Ganzkörperübungen können und sollten dagegen zur Auflockerung während der gesamten Sequenz eingestreut werden.
Insgesamt wird in dieser Sequenz auf ein aus- gewogenes Verhältnis zwischen Kräftigungs- und Beweglichkeitsübungen geachtet. Bei der Ausführung aller dieser Übungen sollte – über die bereits ausgeführten methodischen Hinweise hinaus – immer wieder eine gezielte Lenkung der Aufmerksamkeit auf wichtige Wahrnehmungsaspekte, besonders bestimmte Körperregionen, Haltungen, Bewegungen und dabei
beanspruchte Muskelgruppen, den Bewegungsrhythmus sowie unterschiedliche Spannungszustände in der Muskulatur, erfolgen. Dies trägt zu einer Verbesserung der Körperwahrnehmung und des Körperkonzepts ( Stärkung psychosozialer Gesundheitsressourcen; vgl. Kap. 3.3) sowie weiter gehend auch zu einer Erweiterung des Handlungs- und Effektwissens bei (vgl. hierzu im Einzelnen Kap. 4.7).
Entspannung
Mit dieser Sequenz wird das Ziel verfolgt, die Entspannungsfähigkeit der Kursteilnehmer zu fördern ( Stärkung physischer Gesundheitsressourcen; vgl. Kap. 3.1) und sie zu einem kompetenten Umgang mit alltäglichen Spannungssituationen und -zuständen zu befähigen. Da psychische Belastungen (Distress) als ein wesentli- cher Risikofaktor für die Entstehung und Chroni- fizierung von (unspezifischen) Rückenschmerzen gelten (vgl. Lühmann, 2005; Pfeifer, 2007; ebenso Kap. 1.3), wird deren Abbau hier große Bedeutung beigemessen ( Prävention von Risikofaktoren; vgl. Kap. 3.2). Zudem kann eine Förderung der Entspannungsfähigkeit weiter gehend auch zur Bewältigung von Rückenschmerzen und Missbefindenszuständen (vgl. Kap. 3.4) sowie zur Verbesserung des physischen und psychischen Wohlbe- findens (Stimmung) beitragen (Stärkung psychosozialer Gesundheitsressourcen; vgl. Kap. 3.3).
Einen zusammenfassenden Überblick über die in den einzelnen Kurseinheiten durchgeführten Entspannungsübungen und -techniken gibt Tabelle 6. Bei der praktischen Durchführung der verschiedenen Entspannungsübungen ist grundsätzlich zu beachten, dass physische und psychische An- bzw. Entspannung eng zusammenhängen. So bleibt eine physische Entspannung unvollständig, wenn keine psychische Entspannung stattfindet und umgekehrt.
Wie Tabelle 6 zeigt, werden in den ersten 3 Kurseinheiten zunächst verschiedene, leicht anwend- bare Entspannungsformen (einfache Atemübungen, Reise durch den Körper, Igelballmassage) ausgeführt. Von der 4. bis zur 10. Kurseinheit wird dann ein systematisch lehrbares Entspan- nungsverfahren vorgestellt, eingeübt und stabilisiert. Besonders geeignet dafür sind die Pro- gressive Muskelrelaxation (vgl. Bernstein & Borkovec, 2007) oder die Psychohygiene-Atmung (vgl. Lindemann, 1994). Abhängig von der Qualifikation der Kursleitung sowie der spezifischen Teilnehmergruppe können diese beiden Techni- ken alternativ eingesetzt werden. Ziel ist es dabei jeweils, die Kursteilnehmer an ein wirksames Entspannungsverfahren heranzuführen, das sie dann über die Kursdauer hinaus selbstständig anwenden können. Einige grundsätzliche Empfehlungen für ein Entspannungstraining sowie weitere spezifische Aspekte zur Durchführung der beiden hier genannten Entspannungsverfahren sind in Kapitel 6.3 ausführlich beschrieben.
Ausklang
In der Ausklangsequenz soll einerseits das Erleben positiver emotionaler Bezüge zur Teilnehmergruppe (Förderung von sozialer Unterstützung und Einbindung; vgl. Kap. 3.3) und andererseits die Erhöhung des Aktivitätsniveaus der Teilnehmer initiiert werden. Das Aktivitätsniveau ist nach der Entspannungssequenz eher niedrig, seine Erhöhung zum Abschluss verbessert u. a. die positive Gestimmtheit (Verbesserung der Stimmung; vgl. ebenfalls Kap. 3.3).
Zur Erreichung dieser Zielsetzungen werden hier – ähnlich wie in der Sequenz Einstimmung, Ausdauer – aktivierende, aber einfache und gering belastende Bewegungen sowie spielerische und kommunikative Übungsformen mit Partner und in der Gruppe eingesetzt. Dabei können Aktivitäten und Spiele aus der Einstimmungssequenz wiederholt und/oder neue Bewegungsformen durchgeführt werden.
Methodisch stehen in dieser Sequenz wieder- um offene Aufgabenstellungen im Mittelpunkt, die den Kursteilnehmern Raum für individuelles und kreatives Bewegen lassen. Zur Förderung der Motivation und zur Verbesserung des aktuellen Wohlbefindens (Stimmung) wird dabei auch grundsätzlich Musik eingesetzt. Ferner sollten auch die weiteren – bereits ausgeführten – methodischen Hinweise bzw. Leitprinzipien zur Ver- besserung der Stimmung sowie zur Förderung sozialer Ressourcen konsequent angewandt werden (vgl. dazu Kap. 4.2).
Abschluss
Am Ende jeder Einheit erhalten die Teilnehmer Gelegenheit zur kurzen Reflexion der vorangegangenen Kursstunde. Des Weiteren bekommen sie ein Infoblatt mit einer Zusammenfassung der in der jeweiligen Einheit vermittelten Informationen (vgl. dazu Kap. 4.7) sowie die Aufgaben für das Heimtraining (Aufgaben für die folgende Woche).
In den ersten 4 Kurseinheiten beinhalten die Übungen der Woche jeweils 2 Standardübungen aus der Sequenz Beweglichkeit und Kräftigung. Diese Übungen sollen möglichst mindestens 3-mal in der Woche selbstständig ausgeführt werden. In der 5. Kurseinheit werden die Beweglichkeits- und Kräftigungsübungen für das Heimtraining von der Kursleitung auf die individuellen Voraussetzungen der einzelnen Kursteilnehmer abgestimmt und jeder Teilnehmer erhält ein persönliches Heimtrainingsprogramm. Ebenfalls ab der
5. Kurseinheit sollen die Teilnehmer – ergänzend zu den Kräftigungs- und Beweglichkeitsübungen – regelmäßig kurze Sequenzen des vermittelten Ent-spannungsverfahrens durchführen, um das Erlernte zu stabilisieren und selbstständig durchführen zu können.
Insgesamt sollen die Aufgaben der Woche in- teressierten Teilnehmern die Möglichkeit bieten, die im Kurs erlernten Übungen in Eigenregie weiterzuführen und deren Wirkungen dadurch zu verstärken bzw. auf Dauer aufrechtzuerhalten. Überdies sollen sie den Aufbau von Bindung an gesundheitssportliches Verhalten fördern
(vgl. Kap. 3.5).
Information
Die Informationssequenz zielt hauptsächlich da- rauf ab, die individuelle Handlungskompetenz der Kursteilnehmer in Bezug auf eine eigenständige, möglichst dauerhafte Realisierung von gesundheitssportlichen Aktivitäten sowie gesundheitsförderlichen Alltagsverhaltensweisen aus- zubilden und zu fördern (Stärkung psychoso- zialer Gesundheitsressourcen sowie Bindung an gesundheitssportliches Verhalten; vgl. Kap. 3.3 und 3.5). Neben bzw. in Verbindung mit der Vermittlung spezifischen gesundheits- und bewegungsbezogenen Wissens sollen dabei insbesondere auch mögliche unrealistische Erwartungen der Teilnehmer zu Kursbeginn behutsam modifiziert sowie Hilfen beim Übergang vom AOK - Sanften Rückentraining: Kräftigung und Beweglichkeit mit Spaß! in Folge- bzw. Dauerangebote gegeben werden. Des Weiteren soll die Informationsvermittlung auch dazu beitragen, ungünstige rückenschmerzbezogene Einstellungen und Verhaltensweisen – wie Furchtvermeidungsdenken bzw. -verhalten, passive Coping-Strategien und Katastrophisieren – abzubauen und ggf. einen adäquaten Umgang mit Rückenschmerzen zu fördern. In diesem Zusammenhang sollen die Teilnehmer auch befähigt werden, mögliche arbeitsplatzbezogene Risikofaktoren (wie häufiges Bücken und Drehen) zu identifizieren und durch die Anwendung spezifischer Bewegungstechniken zumindest ansatzweise zu verringern (Prävention von Risikofaktoren sowie Bewältigung von Beschwerden und Missbefinden; vgl. Kap. 3.2 und 3.4).
Im Einzelnen werden dazu gesundheits- und be- wegungs- bzw. verhaltensbezogene Informationen vermittelt, die sowohl Handlungswissen als auch Effektwissen umfassen (vgl. Tiemann, 2006, 2007):
Die Informationssequenzen sind in den Einheiten jeweils so platziert, dass die vermittelten Informationen unmittelbar mit praktischen Erfahrungen und konkretem Erleben verknüpft werden können. So werden z. B. Informationen zur Rolle und Bedeutung der Muskulatur für die Stabilisation, Haltung und Bewegung des Rückens vor Beginn bzw. in direktem Zusammenhang mit der Sequenz Beweglichkeit und Kräftigung vermittelt, während Informationen zur Bedeutung und richtigen Ausführung von Entspannungsübungen im Kontext der Entspannungssequenz eingebracht werden. Eine solche Verbindung von Kenntnisvermittlung und praktischer Erfahrung macht die betreffenden Informationen nicht nur einsichtig, sondern erleichtert auch ihre Übertragung in entsprechende Verhaltensweisen (vgl. Tiemann, 2006).
Bei der praktischen Umsetzung der vermittelten Informationen erfolgt überdies eine Aufmerksamkeitslenkung auf die zuvor erörterten Sach- verhalte und damit eine Einbeziehung der subjektiven Wahrnehmung der Teilnehmer. So werden z. B. Informationen zur Muskelkräftigung nicht nur mit entsprechenden Übungen, sondern auch mit einer Aufmerksamkeitszentrierung auf die betreffenden Muskelgruppen bzw. Körperregionen und/oder auf die Spannung im Bereich der beanspruchten Muskulatur verbunden. Die Lenkung der Aufmerksamkeit erfolgt – je nach Wahrnehmungsgegenstand – durch verbale Hinweise, Fühlen, bestimmte Übungsfolgen, Kontrasterfahrungen oder den Einsatz von methodischen Hilfsmitteln wie etwa Kleingeräten. In diesem Zusammenhang werden – wenn nötig – auch Hilfen bei der Verarbeitung, Bewertung und Einordnung des Wahrgenommenen gegeben (vgl. Tiemann, 2006).
Des Weiteren sollte so weit wie möglich an die bereits vorhandenen Kenntnisse und Vorstellungen der Teilnehmer angeknüpft und die Kenntnisvermittlung durch den Einsatz visueller Medien (vgl. beiliegende CD) unterstützt werden. Die Dauer der Informationssequenzen sollte in der Regel nicht mehr als 10 Minuten betragen. Damit die Kursteilnehmer die vermittelten Informationen zu Hause nachlesen können, erhalten sie am Ende jeder Kursstunde ein Infoblatt, in dem die wichtigsten Hinweise kurz zusammengefasst sind.
Abschließend werden weitere – Programmsequenzen-übergreifende – methodische Hinweise zur Stärkung der Konsequenz- und Kompetenz erwartungen sowie zur Förderung des Körperkonzepts der Teilnehmer beschrieben.
Wie bereits oben ausgeführt, sind realistische Konsequenz- und Kompetenzerwartungen eine wesentliche Voraussetzung dafür, individuell adäquate und erreichbare Handlungsziele zu definieren und diese tatsächlich in Angriff zu nehmen (vgl. Kap. 3.3). Um insbesondere das Vertrauen oder Zutrauen in das eigene Können und in die Bewältigung von Hindernissen und Barrieren, die der Aufnahme und Aufrechterhaltung einer gesundheitssportlichen Aktivität entgegenstehen, zu stärken, sollten bei der Kursdurchführung insbesondere folgende methodische Hinweise berücksichtigt werden (vgl. Brehm & Pahmeier, 2006; Brehm et al., 2002, S. 24–28):
• Die Bewegungsaktivitäten und Übungen sollten grundsätzlich so ausgewählt und dosiert werden, dass die Kursteilnehmer direkte, eigene – erfolgreiche – Handlungserfahrungen machen können. Um dies zu erreichen, müssen die konditionellen und koordinativen Anforderungen im Einklang mit dem Leistungsvermögen der jeweiligen Teilnehmer stehen. Überforderungen, aber auch Unterforderungen sind zu vermeiden.
• Ferner sollten die Kursinhalte so arrangiert werden, dass die Teilnehmer ihre Leistungen und Erfolge als selbsterzeugt erkennen. Dazu kann z. B. die Wahrnehmung der Teilnehmer gezielt auf die eigenen körperlichen und emotionalen Zustände bei den entsprechenden Aktivitäten und Übungen gelenkt werden. Des Weiteren sollten verbale Rückmeldungen zu den Leistungen und Leistungsfortschritten der Teilnehmer gegeben werden. Besonders wichtig ist dies für diejenigen, die an ihren Fähigkeiten zweifeln.
Zur Förderung eines positiven Körperkonzepts, welches Selbstwertgefühl und Wohlbefinden steigert sowie die Bindung an gesundheitssportliches Verhalten begünstigt (vgl. Kap. 3.3 und 3.5), gilt es, vor allem folgende methodische Hinweise zu beachten (vgl. Brehm et al., 2002, S. 28–32; Wagner & Alfermann, 2006):• Es sollten viele Übungsgelegenheiten gebo- ten werden, bei denen die Teilnehmer ihren Körper und ihre Person auf vielfältige Art wahrnehmen können, z. B. hinsichtlich körperlicher Zustände, körperlicher Fähigkei- ten, körperlicher Veränderungen, körperlicher Beanspruchungen.
• Zudem sollte die Kursleitung auch unter der Perspektive der Förderung des Körperkonzepts vielfältige Rückmeldungen zu Leistungsfortschritten und Leistungsentwicklungen geben sowie durch positive Bekräf- tigungen und Bewertungen das Bild der Teilnehmer über die eigenen körperlichen Fähigkeiten ggf. in positiver Richtung „korrigieren“.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass einer systematischen Stärkung der Konsequenz- und Kompetenzerwartungen und des Körperkonzepts sowie der weiteren psychosozialen Ressourcen (Stimmung, Handlungs- und Effektwissen, soziale Unterstützung und Einbindung) große Bedeutung sowohl für die Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden und die Prävention von Rückenschmerzen als auch für den Aufbau von Bindung an gesundheitssportliches Verhalten zukommt. Aus diesen Gründen wird den psy- chosozialen Gesundheitsressourcen besondere Beachtung geschenkt und ein großer Stellenwert beigemessen.
Die Ziele des Programms AOK - Sanftes Rückentraining: Kräftigung und Beweglichkeit mit Spaß! sind gleichermaßen an den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Prävention von unspezifischen Rückenschmerzen sowie den Anforderungen an moderne Ansätze zur Gesundheitsförderung orientiert. Dies bedeutet, dass …
... das Programm zum einen auf eine systemati- sche Beeinflussung der potenziellen Risikofak-
toren für die Entstehung bzw. Chronifizierung von unspezifischen Rückenschmerzen (vgl. Kap. 1) entsprechend aktueller Leitlinien zur Prävention von Rückenschmerzen (z. B. European Guide- lines for Prevention In Low Back Pain; vgl. auch Burton, 2005; Burton et al., 2004) abzielt.
... das Programm zum anderen auf eine gezielte Stärkung wichtiger physischer, psychischer und
sozialer Gesundheitsressourcen sowie eine gezielte Förderung des Gesundheitsverhaltens und eine Verbesserung der Gesundheitsverhältnisse im Sinne der Paradigmen des „New Public Health“-Ansatzes der WHO (vgl. World Health Organization [WHO], 1986) fokussiert.
Interventionsmaßnahmen (Gesundheitssport- programme) bilden und u. a. Eingang in den Leitfaden Prävention der Spitzenverbände der Kran- kenkassen gefunden haben (vgl. AG SpiK, 2008).
Im Folgenden werden die 6 Kernziele des Ge- sundheitssports und die im hier vorliegenden Programm vorgenommenen Schwerpunktsetzungen und Spezifizierungen näher ausgeführt.
Diese übergeordneten Zielperspektiven werden nachfolgend über 6 Kernziele weiter konkretisiert. Hierbei handelt es sich um eine Spezifizierung der Kernziele von Gesundheitssport (vgl. z. B. Brehm, 2006a; Tiemann, 2007; Tiemann & Brehm, 2006).
1. Stärkung physischer Gesundheitsressourcen
Die Stärkung der physischen Gesundheitsressourcen stellt unbestritten ein zentrales Kernziel jedes Gesundheitssportprogramms dar. Eine systematische Aktivierung des Muskelsystems löst Anpassungsprozesse des gesamten Organismus aus und trägt so dazu bei, diesen widerstandsfähig und gesund zu halten. Dies gilt außer für das Herz-Kreislauf-System auch für das Halte- und Bewegungssystem, das Zentralnervensystem sowie für die meisten anderen inneren Organe und physischen Funktionsbereiche. Durch die Akzentuierung von Reizsetzungen können dabei spezifische Effekte erzielt werden. Aus der gesundheitlichen bzw. gesundheitsfördernden Perspektive betrachtet sollten solche Akzentuierungen unter einer fünffachen Perspektive erfolgen und auf eine Verbesserung von Ausdauer, Kraft, Dehn-, Koordinations- und Entspannungsfähigkeit abzielen. Diese Fähigkeiten sind über die ge- samte Lebensspanne durch entsprechend gezielte Anforderungen trainierbar, d. h. die Körpersys- teme passen sich bis ins hohe Lebensalter funk- tionsbezogen den Anforderungen an. Sowohl für die salutogenetischen als auch für die präventiven Wirkungen eines entsprechenden Trainings können zahlreiche Befunde aus epidemiologischen Untersuchungen und kontrollierten Laborstudien herangezogen werden. Kontrollierte Längsschnittstudien im Feld sind dagegen bislang selten (vgl. z. B. Tiemann & Brehm, 2006).
Im AOK - Sanftes Rückentraining: Kräftigung und Beweglichkeit mit Spaß! steht die Förderung der Beweglichkeit und Kräftigung – vor allem der Rücken- bzw. gesamten Rumpfmuskulatur – sowie der Entspannungsfähigkeit im Vordergrund. Auch wenn die Ergebnisse prospektiver Studien zur Bedeutung dieser Fitnessfaktoren für die Entstehung und Prävention von Rückenschmerzen insgesamt unklar sind (vgl.
Lühmann, 2005 sowie Kap. 1.3), sprechen doch gute Gründe für eine systematische Stärkung dieser Ressourcen. So zeigen z. B. verschiedene Querschnittuntersuchungen, dass die Kraft bzw. Kraftausdauer der Rumpfmuskulatur bei Personen mit Rückenschmerzen vergleichsweise gering ausgeprägt ist (Dekonditionierung). Der muskuläre Status scheint also spätestens mit dem Auftreten von Rückenschmerzen eine be- deutende Rolle zu spielen (vgl. Verbunt, Seelen, Vlaeyen, van de Heijden, Heuts, Pons & Knottnerus, 2003). Zudem wird einer Stärkung der physischen Ressourcen auch im Hinblick auf die Förderung der Bewegungs- und Haltungsfunktion der Muskulatur sowie des muskulären Gleichgewichts zunehmend Beachtung geschenkt (vgl. z. B. Ebenbichler, Oddsson, Kollmitzer & Erim, 2001; Pfingsten & Hildebrandt, 2004).
Aufgrund der spezifischen Schwerpunktsetzung spielt die Verbesserung der Ausdauer (zunächst) nur eine untergeordnete Rolle. Mittelund längerfristig (z. B. in einem Folgeprogramm) sollte im Sinne einer umfassenden Fitnessförderung jedoch weitergehend auch die Förderung der Ausdauer anvisiert bzw. integriert werden.
2. Prävention von Risikofaktoren
Dem Ziel der Prävention bzw. Verminderung von Risikofaktoren liegt ganz allgemein die Erkennt- nis zugrunde, dass beim Ausbleiben von Anforderungen an die physischen Gesundheitsressourcen relativ schnell der Prozess einer negativen Anpassung an diese Unterforderungen einsetzt. In der Folge degenerieren die zu wenig beanspruchten Muskeln ebenso wie ande- re Organe und Körpersysteme. Körperliche Inaktivität wird damit – über eine Reduktion des Fit-
nessstatus hinaus – zu einem Risikofaktor für die Gesundheit, der schnell weitere Risikofaktoren im metabolischen (z. B. Bluthochdruck, erhöhte Blutzuckerwerte, Störungen des Fettstoffwechsels) wie auch im muskulären Bereich (z. B. muskuläre Dysbalancen) nach sich zieht.
Im Umkehrschluss ist davon auszugehen, dass eine systematische Stärkung der physischen Ressourcen – praktisch als Nebeneffekt – zur Prävention bzw. Verminderung von Risikofaktoren beiträgt. Für diese Annahme sprechen wiederum zahlreiche Befunde aus epidemiologischen Untersuchungen sowie kontrollierten Laborstudien. Befunde aus kontrollierten Längsschnittstudien im Feld liegen dagegen auch hierzu bislang nur wenige vor (vgl. Baumann, 2004; Eichberg, 2003).
Das AOK - Sanftes Rückentraining: Kräftigung und Beweglichkeit mit Spaß! zielt zunächst vor allem auf die Prävention bzw. Verminderung von – im Zusammenhang mit Rückenschmerzen häufig diskutierten – muskulären Dysbalancen ab (vgl. z. B. Pfingsten & Hildebrandt, 2004). Weitergehend fokussiert es auf eine Reduzierung wichtiger psychosozialer Risikofaktoren für die Entstehung und Chronifizierung von Rückenschmerzen (vgl. Lühmann, 2005 sowie Kap. 1.3). Besondere Bedeutung wird dabei dem Abbau von Distress sowie der Verminderung der Einflussfaktoren Furchtvermeidungsdenken und Katastrophisieren beigemessen, die die Auftretenswahrscheinlichkeit von Rückenschmerzen deutlich erhöhen sowie einen adäquaten Umgang damit be- oder verhindern können (vgl. dazu auch Kap. 3.4). Ferner soll das vorliegende Pro- gramm auch dazu beitragen, die Kursteilnehmer zu befähigen, möglicherweise vorhandene ar- beitsplatzbezogene Risikofaktoren (wie häufiges Bücken und Drehen, schweres Heben, Tragen, Schieben, Ziehen etc.; vgl. Lühmann, 2005 sowie Kap. 1.3) zu identifizieren und durch die Anwendung spezifischer Bewegungstechniken zumindest ansatzweise zu reduzieren.
3. Stärkung psychosozialer Gesundheitsressourcen
Die Stärkung psychosozialer Gesundheitsressourcen bezieht sich auf solche emotionalen, kognitiven und sozialen Potenziale, durch die einerseits das subjektive Gefühl des Wohlbefindens entsteht und verstärkt wird und die andererseits helfen, Anforderungen unterschied- licher Art besser zu bewältigen (vgl. z. B. Abele
& Becker, 1994). Ähnlich wie bei den physischen gilt auch bei den psychosozialen Gesundheitsressourcen, dass ein Ungleichgewicht zwischen Ressourcen auf der einen und Anforderungen auf der anderen Seite – d. h. wenige Ressourcen bei hohen Anforderungen – zu vielfältigen Beschwerden und Krankheiten führen kann (vgl. z. B. Schwarzer, 1997, S. 267–478).
Vor diesem Hintergrund sowie angesichts der Erkenntnis,„dass die psychische Verfassung und soziale Umstände den Verlauf [von Rücken- schmerzen] zumeist besser vorhersagen als körperliche oder konstitutionelle Merkmale“ (Lühmann & Schmidt, 2007, S. 4), spielt eine gezielte Stärkung von psychosozialen Gesundheits- ressourcen im Programm eine große Rolle. Im Vordergrund steht dabei die Stärkung der Ressourcen:
• Stimmung,
• Handlungs- und Effektwissen,
• Konsequenz- und Kompetenzerwartungen,
• Körperkonzept sowie
• soziale Unterstützung und Einbindung.
Diese Ressourcen haben sich im Bereich des Ge- sundheitssports als besonders wesentlich herauskristallisiert (vgl. z. B. Bös & Brehm, 2006; Brehm, 2006a; Tiemann & Brehm, 2006) und sollen hier deshalb etwas näher ausgeführt werden.
Eine positive Stimmung ist eine wesentliche Basis der psychischen Gesundheit und ein zentrales Element des subjektiven Wohlbefindens. Stimmungen umfassen alltägliche Gefühle wie gute Laune, Aktiviertheit, Ruhe, Ärger, Deprimiertheit, Erregtheit oder Energielosigkeit und können insbesondere situativ, aber auch langfristig (Grundgestimmtheit) durch adäquate Be- wegungsaktivitäten günstig beeinflusst werden (vgl. im Überblick z. B. Brehm, 2006b). Darüber hinaus kann eine Verbesserung des Wohlbefindens durch entsprechende Bewegungsaktivitäten auch zur Regulation von psychischen Belastungen (Distress) sowie zur Reduktion von Angst und Depression/Depressivität und damit zur Verminderung wichtiger Risikofaktoren für rezidivierende oder chronifizierende Rückenschmerzen (vgl. hierzu Kap. 1.3) beitragen (vgl. z. B. Allmer, 2006).
Ein differenziertes und konkretes Handlungs- und Effektwissen ist eine wichtige Grundlage für eine kompetente Eigenrealisation von gesund- heitssportlichen Aktivitäten und gesundheitsför- derlichem Verhalten im Alltag.
Handlungswissen umfasst dabei solche Wis- sensbestandteile, die sich unmittelbar auf die Ausführung entsprechender Aktivitäten beziehen – also z. B. Kenntnisse über die adäquate Belastung beim Training, über die korrekte Ausfürung von Kräftigungs- und Beweglichkeitsübungen oder über individuelle Möglichkeiten und Strategien eines aktiven Umgangs mit Rückenschmerzen.
Effektwissen beinhaltet dagegen Wissensbestandteile, die sich auf die potenziellen Wirkungen körperlich-sportlicher Aktivitäten beziehen – also beispielsweise Kenntnisse über grundlegende Vorgänge der biologischen Adaptation bei körperlichen Belastungen, über Wirkungen eines regelmäßigen Krafttrainings auf das Muskel- Skelett-System oder über mögliche positive Effekte körperlich-sportlicher Aktivität in Bezug auf die Prävention von Rückenschmerzen
(vgl. Tiemann, 2006, 2007).
Wie bereits oben angedeutet, kann eine gezielte Vermittlung von Handlungs- und Effektwissen – welches im vorliegenden Programm weiter gehend auch grundlegende Kenntnisse über
Entstehung, Verlauf und Risikofaktoren von Rü- ckenschmerzen einschließt – ganz wesentlich zur Ausbildung individueller Handlungskompetenz in Bezug auf eine eigenständige Realisierung gesundheitsförderlicher Bewegungsaktivitäten sowie eines bewegungsaktiven Lebensstils beitragen. Darüber hinaus kann die Ausbil- dung von spezifischem Wissen auch ungünsti- ge rückenschmerzbezogene Einstellungen und Verhaltensweisen – wie Furchtvermeidungsden- ken bzw. -verhalten, passive Coping-Strategien und Katastrophisieren (vgl. Lühmann, 2005 so- wie Kap. 1.3) – abbauen und ggf. einen adäquaten Umgang mit Rückenschmerzen fördern
(vgl. auch Pfeifer, 2007).
Realistische Konsequenz- und Kompetenzerwartungen sind eine wesentliche Voraussetzung dafür, individuell adäquate und erreichbare Ziele zu definieren und diese tatsächlich in Angriff zu nehmen. Ob eine Person an präventiven Maßnahmen (z. B. dem AOK - Sanftes Rückentraining: Kräftigung und Beweglichkeit mit Spaß!) teilnimmt, wird „wesentlich von den Erwartungen des Adressaten bestimmt, ob diese Handlung zu einer gesundheitlichen Verbesserung führt – Konsequenzerwartung – und ob sich der Betreffende in der Lage sieht, diese Handlung entsprechend auszuführen (Selbstwirksamkeits- bzw. Kompetenzerwartung)“ (Walter & Schwartz, 2003, S. 202). Maßnahmen zur positiven Beeinflussung der individuellen Konsequenz- und Kompetenzerwartungen sind deshalb gerade auch im Hinblick auf eine gezielte Überwindung von Aktivierungsbarrieren und eine regelmäßige Ausführung gesundheitssportlicher Aktivitäten (Aufbau von Bindung; vgl. hierzu auch Kap. 3.5) von großer Bedeutung. Ferner wirken sich hohe Kompetenzerwartungen auch positiv auf das emotionale Befinden und damit die psychische Gesundheit aus (vgl. zusammenfassend Brehm & Pahmeier, 2006).
Ein positives Körperkonzept (physisches Selbst- konzept), d. h. eine günstige Wahrnehmung und Beurteilung des eigenen Körpers, fördert das Selbstwertgefühl und in der Folge auch das Wohlbefinden und die Gesundheit. Zu den zentralen Dimensionen des Körperkonzepts, das einen Teilbereich des allgemeinen Selbstkonzepts darstellt, gehören zum einen die subjek- tive Wahrnehmung der körperlichen Fähigkei-
ten und zum anderen die physische Attraktivität. Gesundheitssportliche Aktivitäten können – bei entsprechender inhaltlicher und methodischer Gestaltung – wesentlich dazu beitragen, beide Dimensionen günstig zu beeinflussen und eine positive emotionale Beziehung bzw. Einstellung zum eigenen Körper zu entwickeln. Im Rahmen des vorliegenden Programms wird dem Aufbau eines positiven Körperkonzepts darüber hinaus auch deshlb große Bedeutung beigemessen, da nach gegenwärtigem Kenntnisstand davon aus- zugehen ist, dass Menschen mit einem positiven physischen Selbstkonzept verstärkt sportbezogene Kontexte aufsuchen und regelmäßig körperlich aktiv sind (vgl. zusammenfassend Wagner & Alfermann, 2006).
Die Erfahrung von sozialer Unterstützung und Einbindung ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, sich in einer Gruppe wohl zu fühlen sowie mehr Sicherheit im Umgang mit anderen zu bekommen und – damit zusammenhängend – sowohl für die Gesunderhaltung als auch für die Aufnahme und langfristige Durchführung ge- sundheitssportlicher Aktivitäten von großer Relevanz. Die Partizipation an (Gesundheits-) Sportangeboten bietet dabei grundsätzlich gute
Möglichkeiten für soziale Kontakte und kann auch die Bildung von sozialen Netzwerken begünstigen (vgl. zusammenfassend Ungerer- Röhrich, Sygusch & Bachmann, 2006). Vor diesem Hintergrund zielt auch das Programm explizit auf eine Förderung von sozialer Unterstützung und Einbindung ab. Im Vordergrund steht dabei die Ausbildung bzw. Stärkung von sozialen Kompetenzen wie z. B. die Fähigkeit zur Rollen- oder Perspektivenübernahme. Um solche sozialen Ressourcen tatsächlich zu stärken, müssen diese jedoch – ebenso wie alle anderen Ziele – mit geeigneten Strategien systematisch verfolgt werden.
4. Bewältigung von Beschwerden und Missbefinden
Die Kernziele der Bewältigung von Beschwerden und Missbefinden fokussieren auf einen adäquaten Umgang mit vorhandenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen und die Ausbildung entsprechender Bewältigungskompetenzen. In diesem Kontext werden grundsätzlich die beiden folgenden, sich ergänzenden Strategien unterschieden:
Der bisherige Forschungsstand (vgl. im Überblick
z. B. Fuchs, 2003, S. 85–95; Pahmeier, Tiemann & Brehm, 2006) zeigt, dass durch gesundheitssport- liche Aktivitäten, die systematisch auf eine Stärkung der physischen sowie der psychosozialen Gesundheitsressourcen ausgerichtet sind, bei der Gruppe der durch Beschwerden und psycho- physisches Missbefinden belasteten Personen eine Verminderung der jeweiligen Gesundheitsprobleme erreicht werden kann. Im hier vorliegenden Programm soll dieses Bewältigungspotenzial durch die Ausbildung von Strategien zur problem- sowie emotionsbezogenen Bewältigung von Rückenschmerzen konsequent genutzt werden.
5. Bindung an gesundheitssportliches Verhalten
Mit dem Ziel des Aufbaus einer Bindung an ge- sundheitssportliches Verhalten werden die regelmäßige Durchführung von gesundheitssportlichen Aktivitäten sowie das langfristige Dabei- bleiben anvisiert. Gesundheitssportliche Aktivität soll auf diese Weise zu einem stabilen Element des Gesundheitsverhaltens bzw. aktiven, gesunden Lebensstils werden. Diesem Ziel kommt insofern eine Schlüsselrolle zu, als regelmäßige und dauerhafte gesundheitssportliche Aktivität eine unabdingbare Voraussetzung für die Stärkung der physischen ebenso wie der psy- chosozialen Ressourcen (Kernziele 1 und 3) und – damit verbunden – auch für die Prävention von Risikofaktoren sowie die Bewältigung von Be- schwerden und Missbefinden (Kernziele 2 und 4) darstellt.
Der Aufbau einer Bindung an gesundheitssportliches Verhalten rückte in den letzten Jahren vor allem deshalb immer mehr in den Blickpunkt, da festgestellt wurde, dass bei vielen Gesundheits- förderungsmaßnahmen die Drop-out-Raten sehr hoch liegen. So sind auch im Bereich des Gesundheitssports 0-prozentige Ausfallquoten eher die Regel als die Ausnahme. Als besonders kritisch für einen Ausstieg gelten das erste hal-be Jahr der Teilnahme sowie der Abschluss eines Programms.
Nach dem derzeitigen Kenntnisstand (vgl. zu- sammenfassend Fuchs, 2006; Pahmeier, 2006) ist davon auszugehen, dass Bindung einen zeitlich langen, mehrere Phasen umfassenden Prozess darstellt, der zudem durch eine Vielzahl unterschiedlicher – personaler und kontextueller – Merkmale beeinflusst wird. Als günstig für den Aufbau einer längerfristigen Bindung an gesundheitssportliche Aktivität haben sich dabei insbesondere eine systematische Stärkung der psychosozialen Gesundheitsressourcen (Kern- ziel 3) sowie ein gezielter Abbau von Teilnahme- barrieren erwiesen.
Im Programm AOK - Sanftes Rückentraining: Kräftigung und Beweglichkeit mit Spaß! wird diesen Erkenntnissen Rechnung getragen und Maßnahmen zur Förderung von Bindung an regelmäßige körperlich-sportliche Aktivität – über die Dauer des Kursprogramms hinaus – besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Große Bedeutung wird dabei u. a. dem Erleben positiver Emotionen, der Differenzierung und Konkretisierung von verhaltensrelevantem Wissen, der Stärkung von Kompetenzerwartungen, der Ausbildung eines positiven Körperkonzepts sowie der Erfahrung von sozialer Unterstützung und Einbindung zugeschrieben. Ferner sollen ggf. vorhandene Teilnahmebarrieren, wie z. B. die Angst vor körperlicher Überforderung oder Furchtvermei- dungsdenken, im Laufe des Kursprogramms gezielt abgebaut werden.
6. Schaffung und Optimierung unter- stützender Settings bzw. gesundheitsförderlicher Verhältnisse
Die Schaffung und Optimierung unterstützen- der Settings bzw. gesundheitsförderlicher Verhältnisse bezieht sich auf die Herstellung günstiger Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für die Durchführung von Gesundheitssportprogrammen. Grundsätzlich gehören dazu insbesondere Qualifizierungsmaßnahmen für Kursleiter, die Zurverfügungstellung adäquater Räumlichkeiten und Geräte, der Aufbau kooperativer Netzwerke beim Zugang zu einer gesundheitssportlichen Aktivität (z. B. Kooperationen zwischen der AOK und niedergelassenen Ärz- ten) und bei deren Weiterführung (z. B. Kooperationen der AOK mit qualifizierten Gesundheitssportanbietern) sowie die Etablierung eines sys- tematischen Qualitätsmanagements (vgl. Tiemann, 2007).
Verbesserungen der Bewegungsverhältnisse sind eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung der 5 zuvor beschriebenen Kernziele. So ist beispielsweise eine qualitätsgesicherte Stärkung der physischen und psychosozialen Ressourcen nur möglich, wenn auch entsprechend qualifizierte Kursleiter vorhanden sind. Das Gleiche gilt in besonderem Maße für die Verminderung von Risikofaktoren sowie die Bewältigung von Beschwerden und Missbefinden. Ferner wird der Aufbau von Bindung an gesundheitssportliches Verhalten für viele Menschen erheblich erleichtert bzw. überhaupt erst ermöglicht, wenn sie dabei durch wichtige Bezugspersonen unterstützt werden. Zur Sicherung der Nachhaltigkeit kommt es weiterhin entscheidend darauf an, dass ein Einstiegsprogramm – möglichst ohne zeitliche Verzögerung – in ein Dauerangebot mündet (vgl. Brehm, Janke, Sygusch & Wagner, 2006; Tiemann, 2007).
Im Zusammenhang mit dem letztgenannten Aspekt steht im hier vorliegenden Programm die Vernetzung mit weiterführenden (Folge- bzw.Dauer-)angeboten im Mittelpunkt. Da das 10 Kurseinheiten umfassende AOK - Sanftes Rückentraining: Kräftigung und Beweglichkeit mit Spaß! nur den Einstieg in eine regelmäßige gesundheitssportliche Aktivität darstellen bzw. den Beginn einer entsprechenden Verhaltensänderung markieren kann, kommt es unter Bindungsgesichtspunkten entscheidend darauf an, dass die Kursteilnehmer mit qualifizierten Gesundheitssportanbietern sowie adäquaten Folgeangeboten und -aktivitäten bekannt gemacht werden. Erst durch eine systematische Vernetzung des Programms AOK - Sanftes Rückentraining: Kräftigung und Beweglichkeit mit Spaß! mit weiterführenden Gesundheitssportangeboten werden eine tragfähige Basis und günstige Voraussetzungen für eine Stabilisierung der im Kurs eingeleiteten Verhaltensänderung sowie für eine nachhaltige Prävention von unspezifischen Rückenschmerzen durch gesundheitssportliche Aktivität geschaffen.
Erwachsene, die früher möglicherweise bereits Rückenschmerzepisoden erlebt haben, zurzeit jedoch beschwerdefrei sind und potenziellen künftigen Rückenschmerzen aktiv vorbeugen möchten.
Erwachsene, die gelegentlich leichte, aber (noch) nicht behandlungsbedürftige Rückenschmerzen wahrnehmen.