Inhaltliche Kurzfassung :
Die Konzentrative Entspannung nach Wilda-Kiesel gehört ihren Wirkmechanismen entsprechend zu den übenden Entspannungsverfahren. Über eine spürende, wahrnehmende Zuwendung zunächst zum ruhenden Körper (bei geschlossenen Augen) werden Empfindung und Eigenwahrnehmung (Perzeption) geschult und differenziert. Über den Verlauf von 8 Kurseinheiten werden An-und Entspannungsmöglichkeiten und Veränderbarkeit der Wahrnehmung mit dem Ziel der psychophysischen Gelöstheit bewusst. Als Abschluss des Lernkurses Konzentrative Entspannung unter Leitung eines ausgebildeten Kursleiters wird in Sätzen zum selbständigen Üben in „Ich“-Form das individuell Erlernte zur Dämpfung stressbedingter Reaktionen in den Alltag übertragen und trägt zur Achtsamkeit und Spannungsregulation nachhaltig bei. Konzentrativ als achtsame, gerichtete Aufmerksamkeit zum Körper ist immer auf eine gegenwärtige Übungssituation und Befindlichkeit bezogen. Nach dem Erlernen der KoE in der Gruppe ermöglich
8 x 60
Min.
135,00 €
16,88 €
pro Einheit
Ab 18
Jahre
Auf Anfrage
Inhalt des Kurses:
Phase I:
Ruhelage auf dem Rücken als Basis zum Erspüren grober Empfindungen
(Stunden 1-3)
Phase II:
Einbeziehen entspannungsförderlicher Bewegungsübungen, der Stab- und Dehnlagerung zur Differenzierung der An- und Entspannungssituationen
(Stunden 4-6)
Phase III:
Überleitung zum Üben nach Sätzen zum selbständigen Üben in „Ich-Form“ zur Selbstregulation im Alltag und Finden einer eigenen Übungssituation
(Stunden 7 und 8)
Jede Kursstunde gliedert sich in einen einführenden Teil (Erwärmung, 15 Min.), Hauppteil (praktisches Üben in Rücken-, Bauchlage oder Sitz) (30 Min.), Schlussteil (reflektierendes Gruppengespräch; gymnastische, dehnende, mobilisierende Elemente; Erfahrungsaustausch über selbständiges Üben zuhause) (15 Min.)
Im Allgemeinen werden für das Erlernen der KoE im Kurs 8 UE á 60 Min. benötigt, um die KoE zu erlernen und in den Alltag zu übertragen. Die Erfahrungen im Umgang mit der KoE und die Reduktion von Problemen beim Üben werden in den letzten beiden Stunden der Gruppenarbeit reflektiert und individuell variiert.
Das Üben vollzieht sich immer wieder in der Gegenwart der jeweiligen Stunde und des Stundenziels. Antizipierte Zustände, wie Schwere, Wärme usw. und automatisierte Abläufe (wie zum Beispiel im AT) sind nicht das Ziel der KoE. Der lösende, spannungsausgleichende Effekt ergibt sich durch eine ergebnisoffene Zuwendung zum Körper und als Folge dieser freundlichen Zuwendung. Entspannungsunterstützend ist von Seiten der Teilnehmer die bewusste Gestaltung eines Übungsortes im individuellen Alltag mit einer überschaubaren Häufigkeit für das selbständige Erlernen der KoE nach Sätzen.
Den Teilnehmern wird noch während des Kurses (5./6. UE) als Aufgabe für zu Hause mitgegeben, täglich – möglichst zu einer gleichen Zeit – ca. 3-5 Min. zu üben, um zunächst die Körperauflagen und Abstände zum Boden zu erspüren. Das bahnt schon während der Gruppenarbeit das selbständige Übertragen der KoE in den persönlichen Alltag und sollte dann nach Übergabe der Sätze zum selbständigen Üben drei bis vier Wochen durchgeführt werden. Einmal erlernt, bleibt der Effekt des Zuwendens und Lösens erhalten und ist nicht an automatisierte Vorgänge gebunden. Immer wieder betrifft die bewusste Zuwendung die gegenwärtige Situation und Körperbefindlichkeit.
Methodenspezifische Vorgehensweise und Gesprächsverhalten des Kursleiters
Die Konzentrative Entspannung wird als aufgabenorientierter Lern- und Übungskurs durch den fachlich ausgebildeten Kursleiter für die Zeit der Gruppenarbeit übermittelt.
Er regt durch eine personenbezogene Gesprächsführung und ein empathisches Fragen an, Entspannung als Folge der freundlich gelassenen Zuwendung kennenzulernen, es beschreibt eine sensorische Qualität. Bestimmte Körpergebiete, Bewegungen, der körperumgebende Raum und Gegenstände zum Ertasten sind Objekte der Zuwendung. Eine leichte Aufmerksamkeitshaltung bleibt auch als Tonus der Muskulatur und ist nicht als Schlaffheit oder als Prähypnoid angestrebt. Indem die Gruppe die Fragen des Gruppenleiters hört und frei von Stress individuell nachspürt, erfolgt durch den Kursleiter das wertfreie Bestätigen der Antworten. Abschirmende Einleitungssätze zeigen der Gruppe den Übungsbeginn an und werden mit der Aktivierung nach dem Erspüren beendet.
Das Erspüren hinterlässt in der Folge Gelassenheit im Sinne eines psychophysischen „Fließgleichgewichts“, Wahrnehmungsdifferenzierung und Spannungsregulation werden durch die Übungssituation in der Gruppe deutlich und als eigene Erfahrung möglich.
Das personenzentrierte Gesprächsverhalten realisiert sich durch die Fragen des Kursleiters. Er nimmt die Antworten der Teilnehmer durch wertfreie Bestätigung an.
Zum Abschluss des Kurses führt die Übertragung der KoE mit den Sätzen zum selbständigen Üben in Ich-Form zur subjektiven Übernahme der Effekte in eigener Regie und Art der Umsetzung. Die offene Entscheidung und freie Verwendung der KoE als Möglichkeit zum eigenen Spannungsausgleich hat viel gemeinsam mit Achtsamkeit und Selbstfürsorge für sich, aber auch angemessener Anpassung an stressbelastete Alltagssituationen.
- Die Sätze zum selbständigen Üben und Hilfen zur Übergabe
Nach dem Erlernen der KoE unter Anleitung werden die Sätze zum selbständigen Üben vorbereitet und übermittelt. Wichtig ist dabei auch die Bewusstheit, dass mit der Übergabe der Sätze die Lernsituation und Rolle des Kursleiters aufgelöst ist. Es bedeutet die Übertragung der KoE, um sie in eigener Regie zu nutzen und auch dahingehend zu verändern.
Die vorgegebenen Sätze sind ein Rahmen, welcher keine automatisierten Abläufe erforderlich macht, um die KoE sinnvoll zur Eigenfürsorge im Sinne einer ausgeglichenen Spannungslage zu nutzen. Das Vorgehen des Gruppenleiters soll deshalb diese Entwicklung vom Erlernen zum freien Verwenden erleichtern.
Was ist zu beachten?
- Der Kursleiter spricht bei seinen Fragen die Gruppe mit “Sie“ an, z. B.: „Erspüren Sie die größte Auflage zum Boden... “
- Die Teilnehmer sprechen sich zunächst still mit „Ich“ an: „Ich erspüre die Auflageflächen und löse Festes“ Beide Ansprachen sollten nicht verwechselt werden, z. B. als Frage des Kursleiters: „Wir erspüren die Auflageflächen ...“
Um auf die Übernahme der Sätze vorzubereiten, kann schrittweise die Eigenmotivation erarbeitet werden durch:
- Gemeinsames Gruppengespräch zum möglichen Übungsort, Übungssituation und Häufigkeit
- Durchlesen des Flyers mit den niedergeschriebenen Sätzen als kleine Übung zum Aufnehmen des Weges des Erspürens durch den Körper
- Der Übergang kann symbolisiert werden durch Zusammenfassung der Sätze durch den Kursleiter – Stilles Nachsprechen in „Ich“- Form durch die Teilnehmer
- In der letzten Stunde kann das selbständige Üben symbolisch gestaltet werden, so dass der Kursleiter sich auf einen eigenen Platz mit auf den Boden legt und eine Übungszeit zum Beenden vorgibt
- Gemeinsames Gespräch zur selbständigen Durchführung zu Hause für ein oder zwei Wochen zu kontinuierlichen Zeiten
- Gespräch über Probleme der selbständigen Durchführung, aber vor allem auch Effekte für sich selbst
Das generelle Ziel der Konzentrativen Entspannung besteht darin, negative Folgen für die körperliche und psychische Gesundheit aufgrund von Stressreaktionen und chronischen Daueranspannungen zu dämpfen, indem die individuellen spannungsregulierenden Kompetenzen muskulär erlernt und gestärkt werden. Entspannungsverfahren zielen darauf ab, physische und psychische Spannungszustände zu reduzieren und setzen damit im Wesentlichen auf der Ebene des palliativ-regenerativen Stressmanagements an. Entspannungsverfahren, wie hier die Konzentrative Entspannung, lösen eine sogenannte Entspannungsreaktion aus. Diese Entspannungsreaktion stellt den Gegenpol zu den unter Stress auftretenden körperlichen Reaktionen dar. Im Verlaufe eines Entspannungstrainings wird durch regelmäßiges Üben die Auslösung der Entspannungsreaktion erleichtert und stabilisiert. Der Erfolg des Trainings zeigt sich dann darin, dass es dem Übenden zunehmend sicherer und schneller gelingt, die Entspannungsreaktion auch unter belasteten äußeren Umständen für sich zur Entlastung nachhaltig durchzuführen. Durch regelmäßiges Üben wird die Entspannungsreaktion gebahnt und für die Umsetzung im individuellen Alltag stabilisiert.
Erwachsene mit Stressbelastungen, die ein Verfahren zur gezielten Dämpfung akuter Stressreaktionen erlernen und über dessen regelmäßige Anwendung psychophysisch wirksamer Erholung und Regeneration finden möchten. Menschen mit akut behandlungsbedürftige psychische Erkrankungen sind nicht Zielgruppe der Konzentrativen Entspannung in der Primärprävention.